Ausbildung vorbereiten (Handlungsfeld 2 der AEVO)
In Handlungsfeld 2 bereitest du alles vor, was vor dem ersten Ausbildungstag stehen muss, und das Herzstück ist eine Ableitungskette in 3 Stufen. Die Ausbildungsordnung und der Ausbildungsrahmenplan geben vor, was gelernt wird, dein betrieblicher Ausbildungsplan überträgt das auf deinen Betrieb, also wann, wo und wie. Dazu kommen der Ausbildungsvertrag (§§ 10 bis 16 BBiG), die Anmeldung bei Berufsschule und Kammer und die Auswahl der Bewerber. HF2 ist der zweite der vier Handlungsfelder und stellt grob ein Fünftel der schriftlichen Prüfung. Dieser Leitfaden führt dich durch alle Schritte.
Diese Seite gehört zu Handlungsfeld 2 und ist Teil unseres Überblicks zu den vier Handlungsfeldern der AEVO. HF2 baut auf Handlungsfeld 1 auf: Erst wenn der Betrieb ausbilden darf, folgt die konkrete Vorbereitung.
Der wichtigste Denkschritt in Handlungsfeld 2: Ein betrieblicher Ausbildungsplan fällt nicht vom Himmel, du leitest ihn ab. Diese Kette solltest du sicher erklären können.
Ausbildungsordnung
Die rechtliche Grundlage jedes anerkannten Ausbildungsberufs. Sie legt bundesweit einheitlich fest: Berufsbezeichnung, Ausbildungsdauer, das Ausbildungsberufsbild (die zu vermittelnden Fertigkeiten und Kenntnisse) und die Prüfungsanforderungen.
Ausbildungsrahmenplan
Teil der Ausbildungsordnung. Er gliedert die Inhalte sachlich und zeitlich: Was soll in welchem Ausbildungsjahr vermittelt werden? Er ist die bundesweite Vorgabe, aber noch nicht auf deinen Betrieb zugeschnitten.
Betrieblicher Ausbildungsplan
Deine Übersetzung des Rahmenplans auf den eigenen Betrieb: welche Abteilung wann welchen Inhalt vermittelt, mit welchen Zuständigen und in welcher Reihenfolge. Er ist Anlage zum Ausbildungsvertrag.
Wie du den letzten Schritt konkret machst, also aus dem Rahmenplan einen einsatzfähigen betrieblichen Plan baust, zeigt dir Schritt für Schritt unsere Anleitung Ausbildungsplan erstellen.
Vor Beginn der Ausbildung muss der Ausbildungsvertrag geschlossen und sein wesentlicher Inhalt schriftlich niedergelegt werden (§§ 10, 11 BBiG). Zu den Pflichtinhalten gehören unter anderem:
- Art, sachliche und zeitliche Gliederung sowie Ziel der Ausbildung
- Beginn und Dauer der Ausbildung
- Dauer der Probezeit
- Zahlung und Höhe der Ausbildungsvergütung
- tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit
- Dauer des Urlaubs und Kündigungsvoraussetzungen
Der Vertrag wird bei der zuständigen Stelle ins Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse eingetragen (§ 34 BBiG). Erst mit dieser Eintragung ist formal alles korrekt aufgesetzt. Kündigung und vorzeitige Auflösung sind eng geregelt (§§ 22, 23 BBiG), das gehört inhaltlich aber schon in Richtung Handlungsfeld 4.
Die Probezeit richtig kennen. Jedes Ausbildungsverhältnis beginnt mit einer Probezeit von mindestens einem und höchstens vier Monaten (§ 20 BBiG). In der Probezeit können beide Seiten jederzeit ohne Frist und ohne Angabe von Gründen kündigen. Danach kann der Betrieb nur noch aus wichtigem Grund fristlos kündigen, eine ordentliche Kündigung durch den Betrieb ist dann ausgeschlossen. Diese Regel ist ein Prüfungsklassiker.
Handlungsfeld 2 heißt vollständig "Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken". Zur Vorbereitung gehört also auch die Bewerberauswahl. Wichtig für die Prüfung: Die Auswahl muss diskriminierungsfrei sein. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet Benachteiligungen wegen Alter, Geschlecht, Behinderung, ethnischer Herkunft, Religion oder sexueller Identität, schon in der Stellenausschreibung und im Auswahlverfahren (§§ 1, 7 AGG). Eine Ausschreibung "junger, belastbarer Azubi (m)" wäre also gleich doppelt angreifbar. Zur Vorbereitung zählen außerdem ein sauberes Anforderungsprofil und ein strukturiertes Auswahlverfahren.
Bevor es losgeht, meldest du an zwei Stellen an: das Ausbildungsverhältnis bei der zuständigen Kammer (Eintragung ins Verzeichnis, § 34 BBiG) und den Azubi bei der Berufsschule. Weil die Ausbildung dual läuft, musst du dich mit der Berufsschule abstimmen: Der betriebliche Ausbildungsplan und der schulische Rahmenlehrplan sollen ineinandergreifen, damit theoretische und praktische Inhalte zeitlich zusammenpassen. Diese Kooperation der Lernorte (Betrieb, Berufsschule, bei manchen Berufen überbetriebliche Ausbildungsstätten) ist ein eigenes Prüfungsthema in Handlungsfeld 2.
"Ausbildungsrahmenplan und betrieblicher Ausbildungsplan sind dasselbe." Nein. Der Ausbildungsrahmenplan ist die bundesweite Vorgabe aus der Ausbildungsordnung. Der betriebliche Ausbildungsplan ist deine Übersetzung davon auf den eigenen Betrieb. Der eine sagt was, der andere wann, wo und wie.
"Der Ausbildungsvertrag kann auch mündlich geschlossen werden." In der Praxis riskant und prüfungstechnisch falsch gedacht: Der wesentliche Vertragsinhalt muss schriftlich niedergelegt werden, bevor die Ausbildung beginnt (§ 11 BBiG), und der Vertrag wird bei der Kammer eingetragen.
"Nach der Probezeit kann der Betrieb den Azubi normal kündigen." Nein. Nach der Probezeit ist eine ordentliche Kündigung durch den Betrieb ausgeschlossen. Er kann nur noch aus wichtigem Grund fristlos kündigen (§ 22 BBiG). Das unterschätzen viele.
Eine typische Aufgabe aus Handlungsfeld 2 klingt so: "Bringen Sie die folgenden Schritte der Ausbildungsvorbereitung in die richtige Reihenfolge" (etwa: Anforderungsprofil erstellen, Bewerber auswählen, Vertrag schließen, bei der Kammer eintragen, betrieblichen Plan erstellen). Oder: "Welche Angaben gehören zu den Pflichtinhalten des Ausbildungsvertrags?" mit mehreren richtigen Antworten. Du sollst also anwenden und zuordnen, nicht Paragrafen zitieren. Übe das an echten Aufgaben in unserem kostenlosen Fragenkatalog.
Ist die Ausbildung vorbereitet, beginnt die eigentliche Arbeit am Azubi. Der logische nächste Schritt ist Handlungsfeld 3, Ausbildung durchführen, das mit rund der Hälfte der Prüfung der Schwerpunkt ist und den Stoff für die praktische Prüfung liefert. Du findest es in der Kartenübersicht unten und im Überblick zu den vier Handlungsfeldern.
Das passt zu Handlungsfeld 2
Ausbildungsvoraussetzungen prüfen (Handlungsfeld 1 der AEVO)
Handlungsfeld 1: Eignung von Betrieb und Ausbilder, duales System, Mitwirkende.
Handlungsfeld 3: Ausbildung durchführen
Handlungsfeld 3: Methoden, Lernziele und Lernbereiche. Der Schwerpunkt der Prüfung.
Betrieblichen Ausbildungsplan erstellen: Anleitung mit Beispiel
Schritt-für-Schritt: aus dem Ausbildungsrahmenplan einen betrieblichen Ausbildungsplan bauen.
Ausbildungsvertrag
Pflichtinhalte, Form und Eintragung des Berufsausbildungsvertrags.
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Prüfungsfragen AEVO
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