Die praktische AEVO-Prüfung: Unterweisung, Konzept und Fachgespräch

Noel Lang

Die praktische AEVO-Prüfung besteht aus zwei Teilen: einer Unterweisung oder Präsentation von höchstens 15 Minuten und einem anschließenden Fachgespräch von rund 15 Minuten (§ 4 AEVO). Du wählst dafür eine typische Ausbildungssituation aus deinem eigenen Ausbildungsberuf, reichst vorab ein schriftliches Konzept ein und zeigst dann, dass du diese Situation ausbildungsgerecht vermitteln kannst.

Dieser Leitfaden führt dich durch den Ablauf, die Wahl zwischen Unterweisung und Präsentation, den Aufbau deines Konzepts, die Themenwahl nach Beruf und die Bewertung. Den schriftlichen Prüfungsteil erklären wir dir getrennt in unserer Übersicht zur AEVO-Prüfungsvorbereitung.

Der praktische Teil ist der Prüfungsteil, vor dem die meisten Kandidatinnen und Kandidaten am meisten Respekt haben. Er ist aber klar strukturiert und in wenigen Schritten beschrieben.

Vor dem Prüfungstag legst du dein Thema fest und reichst dein schriftliches Konzept bei deiner zuständigen Stelle ein. Wann genau und in welchem Umfang, gibt dir deine IHK oder Handwerkskammer vor. Das Konzept beschreibt, welche Ausbildungssituation du zeigst, welches Lernziel du verfolgst, für welchen Auszubildenden die Situation gedacht ist und mit welcher Methode du vorgehst.

Am Prüfungstag hast du zunächst Zeit, deinen Arbeitsplatz oder deine Präsentation vorzubereiten. Danach führst du die gewählte Ausbildungssituation vor dem Prüfungsausschuss durch. Diese Durchführung oder Präsentation soll höchstens 15 Minuten dauern (§ 4 AEVO).

Direkt im Anschluss folgt das Fachgespräch von rund 15 Minuten. Darin begründest du deine Entscheidungen: warum dieses Lernziel, warum diese Methode, wie du mit einer Störung umgegangen wärst. Das Fachgespräch ist deine Chance, pädagogisches Verständnis zu zeigen, auch wenn in der Durchführung nicht alles perfekt lief.

Die praktische Prüfung in Zahlen: höchstens 15 Minuten Unterweisung oder Präsentation, danach rund 15 Minuten Fachgespräch, ein vorab eingereichtes schriftliches Konzept, freie Themenwahl aus dem eigenen Ausbildungsberuf, bestanden ab mindestens der Hälfte der Punkte (§ 4 AEVO).

Die AEVO lässt dir ausdrücklich die Wahl: Du zeigst deine Ausbildungssituation entweder als praktische Durchführung (die klassische Unterweisung, bei der ein Auszubildender tatsächlich handelt) oder als Präsentation (du stellst dar, wie du die Situation aufbauen und vermitteln würdest). Beide Wege dauern höchstens 15 Minuten und münden in dasselbe Fachgespräch.

Die Wahl hängt weniger vom Zufall ab als von deinem Beruf und deinem Thema. Eine handwerkliche Fertigkeit, die man vormachen und nachmachen lassen kann, spricht für die Unterweisung. Ein Thema, das stark auf Zusammenhänge, Planung oder Wissen zielt, lässt sich oft besser präsentieren. Wichtig: Die Präsentation ist nicht der leichtere Weg. Wer präsentiert, verlagert das Gewicht auf das Fachgespräch, in dem die Prüfer dann umso genauer nachfragen.

KriteriumUnterweisung (praktische Durchführung)Präsentation
Was du zeigstDu vermittelst eine Fertigkeit direkt am Arbeitsplatz, ein Auszubildender handelt selbst.Du stellst dar, wie du eine Ausbildungssituation planst und vermittelst.
Passt zuHandwerklich-praktischen Tätigkeiten mit sichtbarem Ergebnis.Wissens- und planungslastigen Themen ohne klare Handgriffe.
Dauerhöchstens 15 Minuten (§ 4 AEVO)höchstens 15 Minuten (§ 4 AEVO)
AnschlussFachgespräch von rund 15 MinutenFachgespräch von rund 15 Minuten
Typische FalleZu großer Themenausschnitt, der in 15 Minuten nicht zu schaffen ist.Reines Vortragen ohne erkennbaren didaktischen Aufbau.

Das schriftliche Konzept, oft Unterweisungsentwurf genannt, ist die Eintrittskarte in die praktische Prüfung. Die Prüfer lesen daran ab, ob du planvoll und ausbildungsgerecht vorgehst, noch bevor du den Raum betrittst.

Sie erwarten kein wissenschaftliches Werk, sondern eine nachvollziehbare Begründungskette: Wer wird ausgebildet (Ausbildungsberuf, Ausbildungsjahr, Vorkenntnisse), was genau soll gelernt werden (ein sauber formuliertes, überprüfbares Lernziel), wie du es vermittelst (die gewählte Methode und warum sie zum Lernziel passt) und womit (Arbeitsmittel, Sicherheitshinweise). Ein häufiger Fehler ist ein zu großes Thema. Wähle einen Ausschnitt, den man in 15 Minuten wirklich vermitteln kann.

Wenn deine Fertigkeit eine überschaubare, wiederkehrende Handlung ist, ist die Vier-Stufen-Methode oft die passende Wahl. Für Kommunikations- oder Planungsziele passen andere Methoden besser. Entscheidend ist, dass Lernziel und Methode zusammenpassen. Wie die Vier-Stufen-Methode im Detail aufgebaut ist, erklären wir im Lexikon, damit dieser Leitfaden schlank bleibt.

1

Ausgangslage beschreiben

Ausbildungsberuf, Ausbildungsjahr und Vorkenntnisse des Auszubildenden benennen. So wird klar, warum dein Ausschnitt zu diesem Lernstand passt.

2

Lernziel festlegen

Ein überprüfbares Feinlernziel mit beobachtbarem Endverhalten, Bedingungen und Maßstab formulieren, zum Beispiel "innerhalb von fünf Minuten fehlerfrei".

3

Methode begründen

Die Methode wählen, die zum Lernziel passt, und in einem Satz begründen, warum gerade sie das Ziel am besten erreicht.

4

Ablauf und Arbeitsmittel planen

Die einzelnen Schritte, benötigte Materialien und Sicherheitshinweise auflisten. Der Ablauf muss in die 15 Minuten passen.

5

Erfolgskontrolle vorsehen

Festlegen, woran du am Ende erkennst, dass der Auszubildende das Lernziel erreicht hat, etwa durch eigenständiges Nachmachen.

Du wählst deine Ausbildungssituation aus deinem eigenen Beruf. Das ist ein Vorteil: Du kennst die Handgriffe und musst kein fremdes Thema erlernen. Gut geeignet sind Situationen, die einen klaren Anfang und ein sichtbares Ergebnis haben und die ein Auszubildender im ersten Ausbildungsjahr bewältigen kann.

Die folgenden Beispiele zeigen, wie ein prüfungstauglicher Themenausschnitt je Berufsfeld aussehen kann. Sie sind als Anregung gedacht, nicht als Vorschrift.

BerufsfeldBeispiel für eine geeignete Ausbildungssituation
Büro / kaufmännischEine eingehende Rechnung auf sachliche und rechnerische Richtigkeit prüfen.
EinzelhandelWaren nach dem First-in-first-out-Prinzip verräumen.
IT / FachinformatikEin Netzwerkkabel fachgerecht anfertigen und auf Durchgang prüfen.
Handwerk / HolzEine Gehrungsverbindung maßgenau anzeichnen und herstellen.
Gastronomie / LebensmittelDen Arbeitsplatz vor Produktionsbeginn hygienegerecht vorbereiten.
Pflege / GesundheitDen Blutdruck bei einer Patientin normgerecht messen und dokumentieren.

Bewertet werden Durchführung und Fachgespräch gemeinsam. Für den praktischen Teil brauchst du mindestens die Hälfte der Punkte; beide Prüfungsteile, der schriftliche und der praktische, müssen für sich bestanden werden. Wer in einem Teil unter der Hälfte bleibt, hat die Prüfung nicht bestanden (§ 4 AEVO).

Die Prüfer achten weniger auf einen perfekten, störungsfreien Ablauf als auf dein pädagogisches Verständnis: Passt die Methode zum Lernziel? Aktivierst du den Auszubildenden, statt nur vorzuführen? Gehst du auf Fehler ruhig und lernförderlich ein? Genau deshalb ist das Fachgespräch so wichtig. Selbst wenn in der Durchführung etwas hakt, kannst du im Gespräch zeigen, dass du weißt, warum du was getan hast und wie du es anders lösen würdest.

"Die Vier-Stufen-Methode ist Pflicht." Falsch. Sie ist nur für überschaubare, wiederkehrende Fertigkeiten die richtige Wahl. Für Kommunikations- oder Planungsziele sind andere Methoden geeigneter. Wer die Methode nur wählt, weil sie bekannt ist, gerät im Fachgespräch schnell unter Druck.

"Ich muss die komplette Tätigkeit zeigen." Falsch. In 15 Minuten lässt sich keine ganze Arbeitsaufgabe vermitteln. Erwartet wird ein sinnvoller Ausschnitt mit einem einzigen, klar umrissenen Lernziel.

"Die Präsentation ist der einfachere Weg." Falsch. Wer präsentiert statt vorzuführen, verlagert das Gewicht auf das Fachgespräch, in dem die Prüfer dann tiefer nachfragen. Leichter wird es dadurch nicht, nur anders.

"Es gibt eine neue AEVO 2024." Falsch. Die Ausbildereignungsverordnung von 2009 gilt unverändert. Aktualisiert wurde 2024 nur der Rahmenplan, an dem sich die Prüfungsinhalte orientieren.

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