AEVO-Fachgespräch: 10 Fragen mit Antwortschema
Bereite für dein AEVO-Fachgespräch 10 realistische Fragen vor und beantworte jede in vier Schritten: Entscheidung, Grund, Alternative und Transfer. Die Fragen sind nicht bundesweit fest vorgegeben. Der Ausschuss knüpft an deine gezeigte Ausbildungssituation an und prüft, ob du deine Auswahl fachlich und pädagogisch begründen kannst.

Nach § 4 Absatz 3 AEVO besteht der praktische Teil aus einer Präsentation oder praktischen Durchführung und einem Fachgespräch. Zusammen dürfen beide Teile höchstens 30 Minuten dauern. Die Präsentation soll 15 Minuten nicht überschreiten. Im Gespräch erläuterst du die Auswahl und Gestaltung deiner Ausbildungssituation.
Das ist keine zweite schriftliche Wissensprüfung. Du sollst zeigen, dass deine Planung zusammenpasst: Lernziel, Vorkenntnisse, Methode, Medien, Lernerfolgskontrolle und Rahmenbedingungen. Aktuelle IHK-Hinweise nennen dafür unter anderem Problemanalyse, Zielformulierung, Lösungsalternativen, Praxisbezug und berufs- und arbeitspädagogische Kompetenz.
Die gezeigte Situation und das Gespräch werden im praktischen Teil mit je 50 Punkten bewertet. Bestanden ist der praktische Teil insgesamt ab 50 Punkten. Entscheidend ist also nicht eine perfekte Vorführung allein, sondern auch deine begründete Reflexion.
Wichtig zur Dauer: Bundesrecht legt höchstens 30 Minuten für den gesamten praktischen Teil fest. Plane für das Gespräch ungefähr 15 Minuten, prüfe aber die Einladung und Hinweise deiner Kammer. Regionale Abläufe können abweichen.
1. Entscheidung nennen
Antworte zuerst direkt. Nenne die Methode, das Lernziel oder dein geplantes Vorgehen in einem klaren Satz. So weiß der Ausschuss sofort, welchen Standpunkt du begründest.
2. Grund mit der Situation verbinden
Beziehe dich auf Zielgruppe, Vorwissen, Lernziel und Rahmen. Eine tragfähige Begründung erklärt nicht nur die Methode, sondern warum sie genau hier passt.
3. Alternative ehrlich abwägen
Nenne eine echte Alternative und ihre Voraussetzung. Erkläre dann, weshalb sie in deiner konkreten Situation schwächer oder erst in einem späteren Lernschritt geeignet wäre.
4. Transfer zeigen
Beschreibe, was du bei verändertem Vorwissen, einem Fehler oder weniger Zeit anpassen würdest. Damit zeigst du, dass du nicht nur ein Schema auswendig gelernt hast.
Kurzform zum Einprägen: „Ich habe mich für … entschieden, weil … . Möglich wäre auch …, wenn … . Falls …, würde ich … anpassen.“ Fülle die Lücken immer mit Details aus deinem eigenen Entwurf.
| Frage | Worauf deine Antwort eingehen sollte |
|---|---|
| 1. Warum haben Sie dieses Lernziel gewählt? | Ordne das Ziel in Ausbildungsordnung, Ausbildungsstand und betrieblichen Ablauf ein. Zeige, dass es in der verfügbaren Zeit beobachtbar ist. |
| 2. Warum passt Ihre Methode zu diesem Ziel? | Verbinde Methode, Vorwissen und gewünschte Eigenaktivität. Nenne eine Alternative und ihre Grenze. |
| 3. Wie haben Sie die Zielgruppe berücksichtigt? | Beziehe dich auf Vorkenntnisse, Ausbildungsjahr, Sprache, Lerntempo und konkrete Hilfen, ohne Eigenschaften zu erfinden. |
| 4. Woran erkennen Sie den Lernerfolg? | Nenne eine beobachtbare Handlung und einen klaren Maßstab. Eine Frage wie „Alles verstanden?“ reicht nicht aus. |
| 5. Was würden Sie beim nächsten Mal ändern? | Reflektiere einen echten Punkt und erkläre die bessere Lösung. Eine begründete Korrektur zeigt Urteilsfähigkeit. |
| 6. Welche andere Methode wäre möglich? | Vergleiche beide Methoden anhand desselben Lernziels, Vorwissens und Zeitrahmens. Vermeide pauschale Ranglisten. |
| 7. Wie reagieren Sie auf einen Fehler? | Sichere zuerst Mensch und Material. Lass den Azubi den Fehler möglichst selbst erkennen und gib anschließend konkretes Feedback. |
| 8. Wie handeln Sie bei fehlendem Vorwissen? | Passe Schwierigkeit und Hilfe an. Erkläre, welchen vorherigen Lernschritt du nachholen oder stärker anleiten würdest. |
| 9. Welche rechtlichen Vorgaben sind hier relevant? | Nenne nur Regeln mit Bezug zu deiner Situation, etwa Arbeitsschutz, Jugendarbeitsschutz oder Datenschutz, und erkläre ihre praktische Folge. |
| 10. Wie sichern Sie den Transfer in den Betrieb? | Plane eine neue Anwendung, zeitnahes Feedback und eine spätere Kontrolle. Zeige, wie aus der Prüfungssituation nachhaltiges Lernen wird. |
Frage: „Warum haben Sie ein Lehrgespräch gewählt?“
Antwort: „Ich habe das Lehrgespräch gewählt, weil die Auszubildende den Warenabgleich bereits beherrscht und nun eine begründete Entscheidung bei sichtbaren Schäden treffen soll. Mit offenen Fragen kann sie ihr Vorwissen nutzen und die Prüfschritte selbst herleiten. Eine Vier-Stufen-Methode wäre möglich, wenn der Ablauf noch völlig neu wäre und zunächst sicher vorgemacht werden müsste. Wenn ich im Gespräch merke, dass das Vorwissen fehlt, würde ich die Aufgabe verkleinern, den ersten Prüfschritt demonstrieren und danach erneut eine Entscheidung begründen lassen.“
Die Antwort nennt eine Entscheidung, verbindet sie mit der Person und dem Ziel, wägt eine Alternative ab und beschreibt eine Anpassung. Genau diese Logik kannst du auf deine eigene Methode übertragen.
Entwurf markieren
Markiere Lernziel, Zielgruppe, Methode, Medien, Lernerfolgskontrolle und Sicherheitsbezug in deinem Unterweisungsentwurf.
Zehn Antworten laut sprechen
Beantworte jede Frage ohne Notizen in höchstens 60 bis 90 Sekunden. Nimm dich dabei mit dem Smartphone auf.
Begründungen prüfen
Streiche leere Floskeln wie „weil das am besten passt“. Ergänze jeweils ein Merkmal deiner Zielgruppe oder Situation.
Zwei Störungen durchspielen
Übe eine Variante mit fehlendem Vorwissen und eine mit einem Fehler oder Zeitdruck. Passe deine Antwort sichtbar an.
Die bundesrechtliche Grundlage ist § 4 AEVO. Die IHK Heilbronn-Franken veröffentlicht konkrete Kriterien für Fachgespräch und Bewertung. Die IHK Braunschweig bestätigt den Bezug zur gezeigten Situation und zur passenden Methodenwahl. Kammerangaben beschreiben regionale Durchführung; deine Einladung bleibt für organisatorische Details maßgeblich. Stand: 19. Juli 2026.
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