BlogPrüfungsvorbereitung

Unterweisungsentwurf AEVO: Vorlage mit vollständigem Beispiel

Noel Lang4 Min. Lesezeit

Ein Unterweisungsentwurf verbindet 8 Planungsfelder: Rahmendaten, Thema, Zielgruppe, Lernziele, Methode, Arbeitsmittel, Ablauf und Lernerfolgskontrolle. Das ist eine Strukturhilfe, kein amtliches Universalformular. Fülle sie online aus und drucke sie oder speichere sie als PDF.

Planung eines Unterweisungsentwurfs mit Ablaufkarten und Zeitmesser

§ 4 AEVO regelt den praktischen Prüfungsteil. Er dauert insgesamt höchstens 30 Minuten. Die Präsentation soll 15 Minuten nicht überschreiten; alternativ darfst du eine Ausbildungssituation praktisch durchführen. Für diese Durchführung nennt § 4 keine eigene 15-Minuten-Grenze. Danach erläuterst du Auswahl und Gestaltung im Fachgespräch. Eine Seitenzahl oder ein bundesweit einheitliches Konzept schreibt die Verordnung ebenfalls nicht vor.

Die Prüfungspraxis ist regional. Die IHK Köln plant für Präsentation oder Durchführung jeweils zehn Minuten. IHK Bremen und IHK Pfalz nennen jeweils 15 Minuten. Köln empfiehlt eine Planung, benotet sie aber nach eigener Aussage nicht; Pfalz beschreibt für ein freiwilliges Konzept vier bis sechs Seiten. Prüfe daher Einladung, Merkblatt und Formular deiner zuständigen Stelle.

Kammer-Check vor dem Schreiben: Kläre Abgabefrist, Dateiformat, Anzahl der Exemplare, Seitenlimit, erlaubte Anlagen und Eigenständigkeitserklärung. Eine gute Vorlage ersetzt diese regionalen Vorgaben nicht.

Ausfüllbare Vorlage

Unterweisungsentwurf direkt ausfüllen

Die acht Felder bündeln häufige Angaben aus Kammerformularen. Übertrage den Ausdruck anschließend in die verbindliche Form deiner Kammer.

Ausbildungsberuf, Ausbildungsjahr, Ort und Art des praktischen Teils.

Ein berufstypischer, zeitlich abgegrenzter Ausschnitt mit Fundstelle in der Ausbildungsordnung.

Nur Merkmale notieren, die Lernziel, Hilfe oder Methode beeinflussen.

Handlung, Bedingungen und Qualitätsmaßstab beschreiben.

Methode mit Ziel, Inhalt, Vorwissen und verfügbarer Zeit verbinden.

Material, Medien, Vorbereitung, Arbeitsschutz und Alternativen.

Handlungen von Ausbilder und Azubi phasenweise planen. Die Summe muss zur Kammerzeit passen.

Eine beobachtbare Aufgabe mit Sollkriterien statt „Alles verstanden?“.

Schnelltest vor dem Druck: Ist das Ziel klar? Passt die Methode zum Stand des Azubis? Kann der Azubi selbst etwas tun? Ist der Erfolg am Ende sichtbar? Stimmen die Zeiten mit dem Hinweis der Kammer überein? Wenn du eine Frage mit Nein beantwortest, geh zum passenden Feld zurück.

Die Struktur passt, wenn jeder Eintrag den nächsten begründet: Vorwissen beeinflusst Ziel und Hilfen; das Ziel bestimmt Methode und Kontrolle; der Ablauf zeigt reale Handlungen. Richt-, Grob- und Feinlernziel sind verbreitet, aber keine ausdrückliche Pflicht aus § 4 AEVO.

Vier Entwürfe mit unterschiedlichen didaktischen Ansätzen

Jeder Entwurf folgt denselben 8 Feldern. Die Zeiten sind 10-Minuten-Beispiele und müssen zu deiner Kammer passen.

1. Sicherer Handgriff für einen Anfänger Angeleitete Demonstration mit Übung und Rückmeldung

Vollständiger Entwurf nach denselben 8 Feldern

1. Rahmendaten

Die Einzelunterweisung findet mit einem Industriemechaniker im ersten Ausbildungsjahr in der Werkstatt statt.

2. Thema und Ordnungsbezug

Der Azubi lernt, einen Drehmomentschlüssel einzustellen. Die passende Fundstelle wird aus Ausbildungsordnung und Ausbildungsplan übernommen.

3. Zielperson und Vorwissen

Der Azubi kennt Schraubverbindungen, hat das Werkzeug aber noch nicht benutzt.

4. Überprüfbares Feinlernziel

Der Azubi stellt einen vorgegebenen Wert korrekt und ohne Hilfe ein.

5. Methode und Begründung

Ich wähle angeleitetes Vormachen und Nachmachen, weil der neue Handgriff klare Orientierung erfordert.

6. Arbeitsmittel und Sicherheit

Benötigt werden Drehmomentschlüssel, Herstellerhinweis und Prüfschraube. Vor Beginn prüfe ich das Werkzeug auf Schäden.

7. Ablauf und Zeit

Ich kläre das Ziel in einer Minute und mache den Handgriff zwei Minuten vor. Der Azubi macht ihn drei Minuten nach, übt zwei Minuten und absolviert die zweiminütige Kontrolle.

8. Lernerfolgskontrolle

Der Azubi stellt einen zweiten Wert ein und erklärt die Kontrolle.

Warum dieser Ansatz?

Klare Führung entlastet Anfänger. Forschung zur kognitiven Belastung warnt bei wenig Vorwissen vor minimaler Anleitung.

Wo liegt die Grenze?

Nicht zur starren Vier-Stufen-Schablone machen. Bei Entscheidungsproblemen muss die Zielperson mehr als eine Reihenfolge reproduzieren.

Kirschner, Sweller & Clark: Guided Instruction
2. Lieferung prüfen und Entscheidung begründen Lehrgespräch mit Musterpaketen und Fallanwendung

Vollständiger Entwurf nach denselben 8 Feldern

1. Rahmendaten

Die Einzelunterweisung findet mit einer Kauffrau für Büromanagement im ersten Ausbildungsjahr im Büro statt.

2. Thema und Ordnungsbezug

Die Auszubildende lernt, eine Lieferung äußerlich zu prüfen. Der Ordnungsbezug wird aus Ausbildungsplan und Verordnung übernommen.

3. Zielperson und Vorwissen

Die Auszubildende kennt Lieferscheine, hat Pakete bisher nur weitergereicht.

4. Überprüfbares Feinlernziel

Sie erkennt sichtbare Abweichungen und dokumentiert das Ergebnis nachvollziehbar.

5. Methode und Begründung

Ich nutze ein Lehrgespräch, weil Fragen das Vorwissen aktivieren und der zweite Fall eine eigene Entscheidung verlangt.

6. Arbeitsmittel und Sicherheit

Benötigt werden zwei Musterpakete, ein Lieferschein und ein Prüfblatt. Beschädigte Verpackungen werden nicht geöffnet.

7. Ablauf und Zeit

Ich aktiviere das Vorwissen eine Minute und erarbeite die Kriterien drei Minuten. Die Auszubildende prüft den Fall vier Minuten und sichert das Ergebnis zwei Minuten.

8. Lernerfolgskontrolle

Sie prüft das zweite Paket selbstständig anhand der Sollkriterien.

Warum dieser Ansatz?

Fragen aktivieren vorhandenes Wissen; die Fallaufgabe macht das Feinlernziel beobachtbar. Hinweise werden bei Bedarf gegeben und danach zurückgenommen.

Wo liegt die Grenze?

Ein Lehrgespräch scheitert, wenn die Fragen nur auf erratene Stichwörter zielen oder die Zielperson noch kein anschlussfähiges Wissen besitzt.

BIBB-Rahmenplan AEVO, Empfehlung 135
3. Arbeitsauftrag selbstständig planen Leittext beziehungsweise Lernauftrag mit gestuften Hilfen

Vollständiger Entwurf nach denselben 8 Feldern

1. Rahmendaten

Die Einzelunterweisung findet mit einer Fachinformatikerin im zweiten Ausbildungsjahr an einem Testsystem statt.

2. Thema und Ordnungsbezug

Die Auszubildende lernt, ein Support-Ticket zu priorisieren. Die konkrete Berufsbildposition wird im Entwurf ergänzt.

3. Zielperson und Vorwissen

Die Auszubildende kennt Tickets und Prioritätsstufen, plant aber noch unsicher.

4. Überprüfbares Feinlernziel

Sie priorisiert einen Fall selbstständig und begründet die Reihenfolge.

5. Methode und Begründung

Ich wähle einen Leitauftrag, weil er Struktur gibt und die fachliche Entscheidung bei der Auszubildenden lässt.

6. Arbeitsmittel und Sicherheit

Benötigt werden ein anonymisiertes Ticket, eine Prioritätsmatrix und eine Hilfekarte. Echte Kundendaten werden nicht verwendet.

7. Ablauf und Zeit

Ich erläutere den Auftrag eine Minute. Die Auszubildende plant drei Minuten, entscheidet drei Minuten, vergleicht zwei Minuten und sichert das Ergebnis eine Minute.

8. Lernerfolgskontrolle

Sie bearbeitet einen zweiten Fall und nutzt Hilfen nur bei Bedarf.

Warum dieser Ansatz?

Der Leittext verschiebt Verantwortung zur lernenden Person. Scaffolding verbindet Selbstständigkeit mit gezielter Unterstützung.

Wo liegt die Grenze?

Für völlig neue oder sicherheitskritische Abläufe ist ein offener Auftrag ohne Vorentlastung ungeeignet. Die vollständige Handlung ist ein Leitbild, keine validierte Lerntheorie.

BIBB/leando: Ausbilden mit der Leittextmethode
4. Schwieriges Kundengespräch trainieren Rollenspiel mit Beobachtungsbogen und zweiter Runde

Vollständiger Entwurf nach denselben 8 Feldern

1. Rahmendaten

Die Einzelübung findet mit einem Verkäufer im zweiten Ausbildungsjahr in einem ruhigen Beratungsraum statt.

2. Thema und Ordnungsbezug

Der Azubi lernt, angemessen auf eine Reklamation einzugehen. Die Fundstelle der Ausbildungsordnung wird ergänzt.

3. Zielperson und Vorwissen

Der Azubi kennt den Ablauf, reagiert bei Kritik aber vorschnell.

4. Überprüfbares Feinlernziel

Er hört aktiv zu, fasst das Anliegen zusammen und bietet einen Schritt an.

5. Methode und Begründung

Ich wähle ein Rollenspiel, weil es kommunikatives Verhalten beobachtbar und nach einer Rückmeldung erneut erprobbar macht.

6. Arbeitsmittel und Sicherheit

Benötigt werden Rollenkarte, Reklamationsfall und Beobachtungsbogen. Vorher vereinbare ich wertschätzende Feedbackregeln.

7. Ablauf und Zeit

Ich kläre das Ziel eine Minute. Auf die erste dreiminütige Szene folgen zwei Minuten Feedback, eine zweite dreiminütige Szene und ein einminütiges Fazit.

8. Lernerfolgskontrolle

In Runde zwei erfüllt er die drei Kriterien ohne Hinweis.

Warum dieser Ansatz?

Simulation ermöglicht Handeln und Feedback in einer geschützten Situation. Meta-analytische Forschung zeigt positive Lerneffekte, betont aber die Gestaltung.

Wo liegt die Grenze?

Das Rollenspiel braucht klare Kriterien und ein Debriefing. Unterhaltung oder bloßes „Durchspielen“ belegt keinen Lernerfolg.

Chernikova et al.: Meta-Analyse zu simulationsbasiertem Lernen
  • Thema zu groß: Grenze statt einer kompletten Warenannahme einen beobachtbaren Lernschritt ab.
  • Methode ohne Zielgruppenbezug: Lass Vorkenntnisse deine Fragen, Hilfen und Methodenwahl erkennbar beeinflussen.
  • Unprüfbares Lernziel: Beschreibe eine selbstständige Handlung und die Kriterien für ihre richtige Ausführung.
  • Unpassende Zeiten: Addiere jede Phase und probe die Situation innerhalb der Zeit deiner Kammer.
  • Fremde Vorlage als Regel: Richte Umfang, Abgabe und Anlagen nach den aktuellen Unterlagen deiner Stelle aus.

Rechtliche Basis ist § 4 AEVO. Die Felder wurden gegen Hinweise von IHK Bremen, IHK Kiel, IHK Köln und IHK Pfalz geprüft. Didaktisch stützen sie sich auf den BIBB-Rahmenplan, Forschung zu angeleitetem Lernen, Scaffolding und Simulation sowie die kritische BIBB-Einordnung. Stand: 15. Juli 2026.

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