Lernauftrag AEVO: Vorlage mit 6 Angaben und Beispiel
Ein guter Lernauftrag für die AEVO enthält 6 klare Angaben: Ausgangslage, Lernziel und Ergebnis, Auftrag und Grenzen, Ressourcen und Hilfen, Kontrolle und Zwischenpunkte sowie Reflexion und nächster Schritt. Der Azubi bearbeitet eine echte betriebliche Aufgabe selbstständig. Du planst den Rahmen und hilfst nur so viel wie nötig.

Bei einem Lernauftrag erhält der Azubi eine reale oder realitätsnahe Arbeitsaufgabe, die er weitgehend selbst plant, ausführt und kontrolliert. Das BIBB beschreibt Lern- und Arbeitsaufgaben entlang der sechs Schritte der vollständigen Handlung. Der Ausbilder schafft den Rahmen, vereinbart Ziele, stellt Ressourcen bereit, beobachtet und gibt Feedback.
Die AEVO verlangt keine bestimmte Methode. Nach §§ 2 und 3 sollst du Ausbildung selbstständig planen, durchführen und kontrollieren. Der BIBB-Rahmenplan HA 135 nennt den Lernauftrag ausdrücklich im Methodenrepertoire und fordert eine zielgruppen- und situationsgerechte Auswahl.
Ein Lernauftrag ist weder eine knappe Arbeitsanweisung noch automatisch ein Projekt. Die Aufgabe hat einen echten Lernzweck, bekannte Prüfkriterien und vereinbarte Hilfen. Ein Projekt ist meist komplexer, offener und kann mehrere Personen oder längere Phasen verbinden. Ein Leittext steuert stärker über Leitfragen, Arbeitsplan und Kontrollbogen.
Merksatz: Du gibst beim Lernauftrag Ziel und sicheren Rahmen vor. Den Lösungsweg übernimmt der Azubi so weit, wie Vorwissen und Risiko es zulassen.
Die folgenden sechs Angaben sind eine redaktionelle Strukturhilfe, kein amtliches Kammerformular. Nutze Namen und Reihenfolge auch in deinem Beispiel, Ablauf und Fachgespräch. So bleibt dein Entwurf prüfbar.
| Angabe | Leitfrage | Formulierungsvorlage |
|---|---|---|
| Ausgangslage | Was kann der Azubi bereits? In welchem betrieblichen Zusammenhang steht die Aufgabe? | Der Auszubildende befindet sich im genannten Abschnitt. Die beschriebenen Vorkenntnisse beherrscht er bereits sicher. |
| Lernziel und Ergebnis | Welche Leistung soll zu sehen sein? Welches Ergebnis wird erwartet? | Der Auszubildende erstellt das vereinbarte Ergebnis selbstständig. Dabei erfüllt er die vorab genannten Kriterien. |
| Auftrag und Grenzen | Was soll bearbeitet werden? Welche fachlichen oder zeitlichen Grenzen gelten? | Der Auszubildende bearbeitet die klar begrenzte Aufgabe im vereinbarten Rahmen. Alle Grenzen für sicheres Arbeiten hält er ein. |
| Ressourcen und Hilfen | Welche Unterlagen und Mittel stehen bereit? Wer hilft bei Bedarf? | Der Auszubildende nutzt die freigegebenen Mittel. Bei Bedarf fordert er die vereinbarten Hilfen in der festgelegten Reihenfolge an. |
| Kontrolle und Zwischenpunkte | Wann prüft der Azubi selbst? Wann ist eine Rücksprache nötig? | Der Auszubildende prüft Weg und Ergebnis anhand der Kriterien. Seinen Plan stellt er am vereinbarten Zwischenpunkt vor. |
| Reflexion und nächster Schritt | Wie werden Ergebnis und Lernweg ausgewertet? Welche Aufgabe folgt? | Der Auszubildende bewertet sein Vorgehen anhand konkreter Beobachtungen. Danach vereinbart er einen passenden nächsten Lernschritt. |
Der Beispielauftrag nutzt einen spannungsfreien Übungsaufbau. Fachliche Regeln und Freigaben musst du an deinen Betrieb anpassen. Jede Zeile erfüllt genau eines der sechs Felder.
| Angabe | Vollständig ausgefülltes Beispiel |
|---|---|
| Ausgangslage | Der Auszubildende ist im zweiten Ausbildungsjahr und kann Schaltpläne lesen. Einzelne Bauteile hat er an einem spannungsfreien 24-Volt-Übungsaufbau bereits sicher angeschlossen. |
| Lernziel und Ergebnis | Der Auszubildende verdrahtet einen einfachen 24-Volt-Steuerkreis nach Schaltplan selbstständig. Danach übergibt er einen dokumentierten und sichtgeprüften Aufbau. |
| Auftrag und Grenzen | Der Auszubildende plant und montiert den Steuerkreis in 90 Minuten. Er arbeitet nur im freigegebenen Kleinspannungsbereich und nimmt keine elektrische Inbetriebnahme vor. |
| Ressourcen und Hilfen | Der Auszubildende nutzt Schaltplan, Materialliste, freigegebenes Werkzeug und Prüfliste. Bei Unsicherheit ruft er zuerst die Hinweiskarte und danach den Ausbilder auf. |
| Kontrolle und Zwischenpunkte | Der Auszubildende stellt seinen Verdrahtungsplan vor der Montage kurz vor. Das fertige Ergebnis prüft er selbst mit der vereinbarten Sichtprüfliste. |
| Reflexion und nächster Schritt | Der Auszubildende begründet nach der Kontrolle eine gelungene Entscheidung und eine mögliche Verbesserung. Danach plant er einen ähnlichen Aufbau mit einem zusätzlichen Schaltelement. |
Das Beispiel macht die Rollen sichtbar: Der Azubi plant und handelt. Der Ausbilder entscheidet über sichere Grenzen, prüft den Plan am Zwischenpunkt und hält Hilfe bereit. Die elektrische Freigabe bleibt bei der dafür verantwortlichen Fachkraft. Selbstständigkeit bedeutet nicht, Schutzregeln oder Zuständigkeiten auszublenden.
| Methode | Steuerung | Passendes Vorwissen | Typischer Umfang | Stärke |
|---|---|---|---|---|
| Lernauftrag | Ziel, Rahmen und Prüfkriterien sind vereinbart. Der Lösungsweg bleibt teilweise offen. | Grundlagen sind vorhanden. Der Azubi kann Hilfen gezielt nutzen. | Eine reale Aufgabe dauert oft länger als eine einzelne Unterweisung. | Lernen und betriebliche Arbeit greifen direkt ineinander. |
| Leittextmethode | Leitfragen, Arbeitsplan und Kontrollbogen führen durch den gesamten Prozess. | Der Azubi kann schriftliche Informationen auswerten und Entscheidungen begründen. | Sechs Phasen benötigen meist mehrere Arbeitsschritte oder Termine. | Die schriftlichen Hilfen machen Planung und Selbstkontrolle besonders sichtbar. |
| Projektmethode | Ziel und Rahmen stehen fest. Weg, Rollen und Teilergebnisse werden stark mitgestaltet. | Mehr Vorwissen, Zeit und sichere Teamarbeit sind nötig. | Ein Projekt umfasst meist mehrere Tage oder einen größeren Prozess. | Komplexe Probleme, Teamarbeit und Verantwortung lassen sich verbinden. |
| Vier-Stufen-Methode | Der Ausbilder bereitet vor, macht vor und führt zum sicheren Nachmachen und Üben. | Sie passt besonders bei wenig Vorwissen und einem klaren Handgriff. | Ein enger Ablauf lässt sich oft in einer kurzen Einheit zeigen. | Neue praktische Abläufe erhalten eine klare und sichere Führung. |
Offenheit ist kein Qualitätsmerkmal für sich. Lernende mit wenig Vorwissen können bei einer komplexen Aufgabe zu viel Sucharbeit leisten und falsche Routinen aufbauen. Die Forschungsübersicht von Kirschner, Sweller und Clark aus dem Jahr 2006 spricht bei neuen Inhalten für klare Anleitung. Der aktuelle BIBB-Rahmen beschreibt ebenfalls Unterstützung nach Wissensstand.
Plane deshalb gestufte Hilfen: zuerst ein Prüfkriterium oder eine Leitfrage, danach ein Teilbeispiel und erst zuletzt eine direkte Anleitung. Bei Sicherheitsrisiken greifst du sofort ein. Mit wachsender Erfahrung kannst du Hilfen reduzieren und Entscheidungsspielräume vergrößern.
Ein vollständiger Lernauftrag passt selten in eine praktische Durchführung von höchstens 15 Minuten. Nach § 4 AEVO darfst du aber auch eine Ausbildungssituation präsentieren. Dabei kannst du Ausgangslage, Auftrag, Begleitung, erwartete Handlung und Auswertung nachvollziehbar darstellen.
Kammerhinweise unterscheiden sich. Die IHK Potsdam weist regional darauf hin, dass viele handlungsorientierte Situationen unter Prüfungsbedingungen nur präsentiert werden können. Die IHK Köln koppelt Prüfungsform, Methode, Thema und erreichbares Lernziel. Verbindlich bleibt das aktuelle Merkblatt deiner Kammer.
Rechtliche Grundlage sind §§ 2 bis 4 AEVO. Der BIBB-Rahmenplan HA 135 vom 20. Juni 2023 ordnet Lernauftrag und Lernprozessbegleitung in Handlungsfeld 3 ein. Das BIBB beschreibt Didaktik und Methodik in der Ausbildung sowie Lern- und Arbeitsaufgaben entlang der vollständigen Handlung. Eine BIBB-Modellversuchspublikation dokumentiert betriebliche Lernaufträge, ihre Voraussetzungen und Grenzen. Die Gegenposition zu zu wenig Anleitung stützt sich auf Kirschner, Sweller und Clark. Kammerangaben beschreiben regionale Prüfungspraxis. Stand: 2. August 2026.
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